Hintergrund

Übernahme von der Initiative Königsbrücker muss Leben

Die Kesselsdorfer Straße hat eine sehr lange Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Lange Zeit war sie eine Verbindungsstraße zwischen Dresden und den Bergbauregionen um Freiberg. August der Starke ließ die "Kesselsdorfer" dann als Postkutschenstraße ausbauen. Napoleon gab ihr später den heutigen "Chaussee-Charakter" - und mit dem wachsenden Dresden wurde die Kesselsdorfer dann im 20. Jahrhundert zu einer wichtigen Geschäfts- und Einkaufsstraße. Gegen Ende des 20. Jahrhundert wurden jedoch die Anzahl der Autos immer mehr, sodass die Kesselsdorfer einen Teil ihres "Wesens" verlohr.

Daher wurde in den 1990er Jahren eine bereits in der DDR vorgesehene Tangente - die Coventrystraße - gebaut. Bereits damals war das Ziel, den Durchgangsverkehr von der Kesselsdorfer wegzuleiten und den "Boulevardcharakter" - und somit die Funktion der Kesselsdorfer als Geschäfts- und Einkaufsstraße - wiederherzustellen. Die Kesselsdorfer sollte ein Begegnungsraum mit Aufenthaltsqualität und urbaner Funktion werden. Hierzu war schon damals geplant, den ersten Teil beginnend an der Tharandter Straße auf ca. 150m als autofreie "Zentralhaltestelle" zu gestalten. Dieser Teil wird glücklicherweise momentan umgesetzt.

Anfang des neuen Jahrtausends (bis 2004) wurde dann der nächste Abschnitt bis hinter die Rudolf-Renner-Straße geplant. Diese uralten Planungen zeigen natürlich die damals übliche einseitige Fixierung auf den Autoverkehr: Überall Autos, große Kreuzungen, verbeiterte Straße (westlich Wernerstraße vierspurig!), schmale Gehwege, kein Platz für Auslagen, Bänke, Fahrradbügel oder Bäume. Und all dies, obwohl die Coventrystraße jetzt einen Großteil des Durchgangsverkehrs übernahm.

Die Planungen von 2004 wurden dann allerdings in die Schublade gelegt. Nichts passierte. Doch plötzlich, im Februar 2018, musste dann alles angeblich ganz schnell gehen. Die alten Planungen sollten innerhalb von einem Monat durch Ortsbeirat und Stadtrat geprügelt werden - ohne die heutigen Bedarfe einzuarbeiten, ohne die Menschen vor Ort zu fragen, ohne große Diskussion.

Wir leben aber in 2018, und die Ansprüche an Stadt- und Verkehrsplanung haben sich stark verändert: Platz, Bäume, Aufenthaltsqualität - ein funktionierendes Ortsteilzentrum - ist heute für die Menschen essentiell. Und so haben sich schnell mehrere Initiativen im politischen und gesellschaftlichen Raum gebildet und gegen die alten Baupläne protestiert.

Mit Erfolg! Der Baubürgermeister hatte die Notwendigkeit einer öffentlichen Diskussion erkannt und eine Einwohnerversammlung einberufen. Ein erster sehr großer Erfolg für die Initiativen. Auf der Einwohnerversammlung wurden die Wünsche sehr deutlich formuliert: autofrei bis Wernerstraße und viel weniger Autos zwischen Werner- und Rudolf-Renner Straße. Insbesondere keine Verbreiterung der Straße auf vier Spuren. Dieses deutliche Zeichen konnte dann auch die Stadtpolitik nicht ignorieren. Der Bauausschuss ließ Alternativplanungen in Auftrag gegeben, welche die Anregungen der Einwohnerversammlung beinhalteten. Der zweite große Erfolg der Initiativen.

Nun liegen die Ergebnisse der Untersuchungen vor:

  1. Eine autofreie Kesselsdorfer bis zur Wernerstraße ist nicht nur möglich, sie ist städtebaulich, verkehrlich und auch für die DVB die beste Lösung. Dies ist ein unglaublicher Erfolg der von den Initiativen eingeforderten Einwohnerversammlung (man fragt sich nur, warum die Stadt nicht von alleine auf diese geniale Idee gekommen ist). Nun gilt es, diese Variante auch politisch durchzusetzen. Die Beschlüsse dazu fallen jetzt im November. Eine Mehrheit im Stadtrat scheint möglich, ist aber noch nicht sicher.

  2. Die Vermeidung einer Verbreiterung der Kesselsdorfer zwischen Wernerstraße und Rudolf-Renner-Straße ist ohne "politischen Willen" nicht möglich. Hierzu müsste der Anteil des Durchgangsverkehrs (heute noch ca. 33% aller Autos) weiter gesenkt werden. Dies klingt einfach - ist aber in der in Teilen noch sehr autofixierten Stadt Dresden wirklich keine leichte Aufgabe.

Nun, am 26. Oktober 2018, ist die Forderung der Initiativen und der Menschen bei der Kundgebung: 1) setzt die "autofreie Kesselsdorfer" bis Wernerstraße um! Das ist gut für die Menschen, das ist gut für den Einzelhandel, das ist gut für die Umwelt und das ist gut für die Straßenbahn und den Bus. 2) Senkt den Anteil an Durchgangsverkehr und macht die Kesselsdorfer bis zur Rudolf-Renner-Straße schmaler. Kein vierstreifiger Ausbau!